{"id":990,"date":"2025-10-05T11:45:39","date_gmt":"2025-10-05T09:45:39","guid":{"rendered":"https:\/\/diegrenze.org\/?p=990"},"modified":"2025-10-05T11:45:47","modified_gmt":"2025-10-05T09:45:47","slug":"manche-sind-noch-nicht-in-der-lage-die-kultur-der-angst-zu-uberwinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diegrenze.org\/?p=990","title":{"rendered":",,Manche sind noch nicht in der Lage die Kultur der Angst zu \u00fcberwinden\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Die bangladeschische Interimsregierung hat im vergangenen Jahr eine Kommission eingesetzt, um die zahlreichen erzwungenen Veschwindenlassen von Personen w\u00e4hrend der letzten faschistischen \u00c4ra in Bangladesch zu untersuchen. Bisher hat diese Kommission von Tausenden F\u00e4llen erfahren. Eines der Opfer war Sajedul Islam Sumon, der im Dezember 2013 von Sicherheitskr\u00e4ften entf\u00fchrt wurde. Sumon kehrte nie zur\u00fcck. Seine Schwester Sanjida Islam gr\u00fcndete daraufhin die Organisation Mayer Dak, um ihren Bruder zur\u00fcckzubekommen. Die Familien vieler anderer Opfer des Verschwindenlassens schlossen sich ihnen an. Seit zw\u00f6lf Jahren setzt sich Mayer Dak im In- und Ausland f\u00fcr Gerechtigkeit f\u00fcr die Opfer ein. Dank ihres kontinuierlichen Engagements haben die internationalen Medien erfahren, wie die faschistische Regierung von Hasina in Bangladesch eine Kultur der Angst geschaffen hat. In einem Interview mit \u201eDie Grenze\u201d wollten wir von Sanjida Islam, der Koordinatorin von Mayer Dak, wissen, wie weit die Gerechtigkeit f\u00fcr die verschwundenen Opfer gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sanjida Islam:<\/strong> W\u00e4hrend des letzten Regimes von Hasina mussten wir mehr als ein Jahrzehnt lang auf die Stra\u00dfe gehen, um Gerechtigkeit f\u00fcr die F\u00e4lle von Zwangsverschwinden zu erlangen \u2013 auch f\u00fcr den meines Bruders. Seit dem Aufstand im vergangenen Juli, den ich nicht als Revolution bezeichne, weil die Revolution noch nicht vorbei ist, wurden mehr als 1 700 Antr\u00e4ge bei der Kommission f\u00fcr das Verschwindenlassen von Personen eingereicht. Ich denke jedoch, dass die tats\u00e4chliche Zahl h\u00f6her ist, weil viele Menschen noch nicht in der Lage waren, die Kultur der Angst zu \u00fcberwinden, die w\u00e4hrend des vorherigen Regimes entstanden war. Die Ermittlungen zu den verschwundenen Personen haben noch nicht die gerichtliche Phase erreicht. Die entsprechenden Rechtsreformen sind noch nicht abgeschlossen.\u201c Insgesamt ist die Zahl der Morde, die w\u00e4hrend der faschistischen Vorg\u00e4ngerregierung begangen wurden, sehr hoch, beispielsweise bei Shapla Chattar, der Meuterei der BDR sowie den au\u00dfergerichtlichen T\u00f6tungen. Das Tribunal scheint nicht \u00fcber gen\u00fcgend Kapazit\u00e4ten und Personal zu verf\u00fcgen, um diese F\u00e4lle aufzukl\u00e4ren, obwohl die Ermittlungen laufen. Hasina ist geflohen, aber die Leute aus ihrer Regierung sind noch da. Trotzdem versuchen wir, die Beweise ordnungsgem\u00e4\u00df zu sammeln und sie dem Gericht vorzulegen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/photo-2-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-986\" style=\"width:695px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/photo-2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/photo-2-300x225.jpg 300w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/photo-2-768x576.jpg 768w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/photo-2-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/photo-2-1200x900.jpg 1200w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/photo-2-1980x1485.jpg 1980w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/photo-2.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9MayerDak<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Die Grenze<\/strong>: Sie versuchen nun, bei den Gerichtsverfahren zu helfen, obwohl Mayer Dak urspr\u00fcnglich eine soziale Organisation war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sanjida Islam:<\/strong> \u201eBisher haben wir daran gearbeitet, das Publikum f\u00fcr dieses Thema zu sensibilisieren und es auf die internationale Ebene zu bringen. Au\u00dferdem haben wir den Familien der Verschwundenen geholfen, da sie ein Trauma durchmachen. Die enge Verbundenheit dieser Familien hat inzwischen zu einer Art gemeinsamer Familie gef\u00fchrt. Es ist auch unsere Aufgabe, sie richtig hinzuweisen. Nachdem das Tribunal formuliert wurde, werden wir nun auch in den Gerichtsprozess involviert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Werden Sie in diesem Fall vom Gericht in den Prozess eingesetzt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sanjida Islam: <\/strong>Sie bitten uns um Unterst\u00fctzung bei der Sammlung von Beweisen und Informationen. Allerdings geht ihre Arbeit recht langsam voran; es geht nicht so schnell, wie wir erwartet haben. Wir haben mitbekommen, dass viele der Angeklagten das Land bereits verlassen haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Wie bieten Sie den Familien der Opfer rechtliche Unterst\u00fctzung?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sanjida Islam:<\/strong> Als die Kommission gegr\u00fcndet wurde, hatten wir zwei ehrenamtliche Rechtsanw\u00e4lte bei uns. Sie haben uns in verschiedenen Fragen beraten, beispielsweise welche Unterlagen wir einreichen m\u00fcssen, um die Ermittlungen der Kommission zu erm\u00f6glichen. W\u00e4hrend der vorherigen Regierung war eine Registrierung nicht m\u00f6glich, jetzt versuchen wir, in die Organisationsstruktur aufgenommen zu werden. Wenn wir ein Beispiel f\u00fcr die Erbringung von Gerechtigkeit liefern k\u00f6nnen, haben wir die M\u00f6glichkeit, mit anderen Organisationen zusammenzuarbeiten, die sich weltweit mit \u00e4hnlichen Menschenrechtsfragen befassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Wie sieht die Einbeziehung der Diaspora in Ihre Arbeit aus?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sanjida Islam:<\/strong> Vor dem 5. August war es f\u00fcr uns nicht einmal m\u00f6glich, miteinander zu kommunizieren, geschweige denn mit der Diaspora. Die Familien der Verschwundenen wurden st\u00e4ndig von den Sicherheitskr\u00e4ften \u00fcberwacht. In dieser Situation war eine Zusammenarbeit mit Ausl\u00e4ndern nicht m\u00f6glich. Es wurde von jedem gef\u00fcrchtet, etwas zu sagen, was zu seinem Verschwinden f\u00fchren k\u00f6nnte. Abgesehen von einigen internationalen Medien konnte niemand dar\u00fcber berichten.<\/p>\n\n\n\n<p>(Das Interviewe wurde im Juni 2025 durchgef\u00fchrt)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die bangladeschische Interimsregierung hat im vergangenen Jahr eine Kommission eingesetzt, um die zahlreichen erzwungenen Veschwindenlassen von Personen w\u00e4hrend der letzten faschistischen \u00c4ra in Bangladesch zu untersuchen. Bisher hat diese Kommission von Tausenden F\u00e4llen erfahren. Eines der Opfer war Sajedul Islam Sumon, der im Dezember 2013 von Sicherheitskr\u00e4ften entf\u00fchrt wurde. Sumon kehrte nie zur\u00fcck. 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