{"id":704,"date":"2022-10-07T00:28:26","date_gmt":"2022-10-06T22:28:26","guid":{"rendered":"https:\/\/diegrenze.org\/?p=704"},"modified":"2022-11-24T21:06:47","modified_gmt":"2022-11-24T20:06:47","slug":"unter-den-fluchtlingen-gibt-es-auch-gute-und-bose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diegrenze.org\/?p=704","title":{"rendered":"Unter den Fl\u00fcchtlingen gibt es auch gute und b\u00f6se"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"926\" src=\"https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Anas-Ansar-\u00a9DieGrenze-1024x926.jpg\" alt=\"Anas Ansar \u00a9DieGrenze\" class=\"wp-image-699\" srcset=\"https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Anas-Ansar-\u00a9DieGrenze-1024x926.jpg 1024w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Anas-Ansar-\u00a9DieGrenze-300x271.jpg 300w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Anas-Ansar-\u00a9DieGrenze-768x695.jpg 768w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Anas-Ansar-\u00a9DieGrenze-1536x1389.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Anas Ansar @Die Granze<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>In Bangladesch befindet sich zurzeit das gr\u00f6\u00dfte Fl\u00fcchtlingslager der Welt, wo die vertriebenen Rohingya Moslems aus Myanmar leben. Weder die Bev\u00f6lkerung noch die milit\u00e4rische Regierung in Myanmar erkennt die Rohingyas als ihre B\u00fcrger an. Demzufolge flohen hunderttausende Rohingyas vor der brutalen Verfolgung der myanmarischen Regierung nach Bangladesch. Der Forscher von Bonn Center for Dependency and Slavery Studies Anas Ansar hat vor einiger Zeit die Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte in Bangladesch besucht.<\/p>\n\n\n\n<p>In zwei Landkreise leben zurzeit rund 1,4 Milionen Fl\u00fcchtlinge. In Ukhiya und Teknaf in Cox\u2019s Bazar und in Bhaschanchar in Noakhali wurden insgesamt 35 Fl\u00fcchtlingslager gebaut. Die bangladeschische Regierung hat letztens rund zwei hunderttausend Fl\u00fcchtlinge nach Bhaschanchar verlegt. Daf\u00fcr wurde dort extra eine staatlich finanzierte und neue Infrastruktur aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Seit rund 10 Jahren erleben wir \u00e4hnliche Fl\u00fcchtlingskrisen in Deutschland. Zuerst aus Syrien, jetzt aus der Ukraine. Wo ist der Unterschied zwischen den Krisen in Deutschland und Bangladesch?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anas Ansar:<\/strong> Der Unterschied ist, weder Syrien noch die Ukraine ist ein Nachbarland Deutschlands. Die Geografie, Sprache, Kultur und sogar Religion sind immer eine andere. Ein besonders gro\u00dfer Unterschied zwischen Deutschland und Bangladesch besteht aber in den wirtschaftlichen M\u00f6glichkeiten und im Wirtschaftsvolumen. Deutschland hat mittlerweile einen gro\u00dfen Mangel an qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften und so betont die Regierung schon seit l\u00e4ngerem die Notwendigkeit an Fachkr\u00e4fte. Dagegen ist Bangladesch ein \u00fcberbev\u00f6lkertes Land, sie exportieren Arbeitskr\u00e4fte ins Ausland. Das ist ein signifikanter Unterschied zwischen den Fl\u00fcchtlingskrisen beider L\u00e4nder.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Sie haben letztens die Fl\u00fcchtlingslager in Bangladesch besucht. Was war der Ziel Ihres Besuchs?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anas Ansar:<\/strong> Manche Rohingyas besitzen zwar schon einen bangladeschischen Ausweis durch illegale Handlung, aber normalerweise d\u00fcrfen sie sich nicht au\u00dferhalb des Fl\u00fcchtlingscamps bewegen. Daf\u00fcr ben\u00f6tigen sie eine polizeiliche Genehmigung. Sie d\u00fcrfen offiziell nicht arbeiten, trotzdem sind viele illegal au\u00dferhalb der Camps besch\u00e4ftigt. In vielen Gesch\u00e4fte in Cox&#8217;s Bazar sind die Rohingyas zu sehen. Manche arbeiten als Rikscha-\/oder Taxifahrer. Mein Ziel war herauszufinden, wie diese Menschen trotz so vielen Hindernisse ihre wirtschaftlichen Aktivit\u00e4ten weiterf\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Wie ist die Lage der Rohingyas in Fl\u00fcchtlingscamps?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anas Ansar:<\/strong> Die Rohingyas halten sich selbst nicht f\u00fcr Ausl\u00e4nder, wie die anderen sie betrachten. Sie k\u00f6nnen ihre \u201ealte\u201c Heimat von der anderen Seite in Cox\u2019sbazar \u00fcber die Naaf Flusse ja sehen. Sie betrachten sich nicht als Ausl\u00e4nder in Bangladesch, da es f\u00fcr sie sich wie ihr eigenes Land sich anf\u00fchlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber f\u00fcr einen Beamter aus Dhaka sind die Rohingyas Ausl\u00e4nder. Nicht aber f\u00fcr die dortigen Bewohner von Cox\u2019s Bazar. Lokale Bangladeschis haben mit Rohingyas viele Gemeinsamkeiten bez\u00fcglich Sprache, Kultur und Religion. Ein Staat bildet eine Grenze zwischen den V\u00f6lker, aber f\u00fcr die Menschen und deren Kultur ist das nur eine rechtliche Trennung. Diese Grenze kann nicht zwar immer den Unterschied aufbauen?.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze: <\/strong>Wie war Ihre Erfahrung w\u00e4hrend Ihres Besuchs im Fl\u00fcchtlingscamp?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anas Ansar:<\/strong> Ich bin zuerst nur durch das Camp gereist. Ich wollte die Situation dort beobachten. So habe ich gesehen, dass manche z.B. 10 Eimer haben, die sie \u00fcberhaupt nicht gebrauchen k\u00f6nnen. Diese Eimer wurden von verschiedenen Hilfsorganisationen gespendet. Diese Hilfsorganisationen haben wenige Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse der Fl\u00fcchtlinge, aber sie spenden noch weiter. Sie haben keine Koordination in ihrer Arbeit und Umsetzung, sodass das Ergebnis nicht wirklich zufriedenstellend ist und nicht viel bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt dort mehrere Arztkliniken, die ihre Dienste anbieten. Das t\u00fcrkische Krankenhaus ist einer der gr\u00f6\u00dften dort. Es gibt einige Grundschulen f\u00fcr Kinder. Sie lernen dort die birmanische Sprache, sodass sie sp\u00e4ter wieder nach Myanmar zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Sie lernen dort kein Bengalisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Unterk\u00fcnfte sind sehr schlecht. Die Fl\u00fcchtlingsfamilien leben in kleinen H\u00fctten an sehr schmalen Gassen. Die sanit\u00e4ren Einrichtungen sind einfach furchtbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fl\u00fcchtlingslager sind mit Stacheldraht eingez\u00e4unt. Zum Eintreten braucht jeder die Genehmigung von der Fl\u00fcchtlingsbeh\u00f6rde in Cox\u2019s Bazar. Das Fl\u00fcchtlingscamp in Bhaschanchar in Noakhali wird von der Marine gef\u00fchrt. Dahin kommt man nur mit einem Marineschiff. Schwerkranke werden mit dem Marinehelikopter transportiert und ins Krankenhaus gebracht. Journalisten brauchen auch eine Genehmigung von der Beh\u00f6rde und sie d\u00fcrfen ebenfalls nur mit dem Marineschiff fahren. Aus diesen Gr\u00fcnden haben die Hilfsorganisationen zuerst dieses Camp kritisiert, nun haben sie aber mittlerweile angefangen dort zu arbeiten. Die Infrastruktur dort ist besser als in Cox\u2019s Bazar. Die bangladeschischen Medien hat grunds\u00e4tzlich eine kritische Berichterstattung dar\u00fcber vermieden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Die Fl\u00fcchtlinge sind in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschr\u00e4nkt bzw. gehindert. Das ist doch Menschenrechtsverletzung, oder?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anas Ansar:<\/strong> Nat\u00fcrlich. Jeder ihrer Bewegungen inner- und au\u00dferhalb des Fl\u00fcchtlingslagers h\u00e4ngt von der Beh\u00f6rde ab und dadurch greift der Staat in ihre Freiheitsrechte ein. Au\u00dferdem ist das Embargo \u00fcber ihre Arbeitserlaubnis auch eine Menschenrechtsverletzung. Aber solche Situation haben wir auch in Deutschland erlebt. Hier durften die Fl\u00fcchtlinge auch nicht lange au\u00dferhalb ihres Heims bleiben. Sie mussten auch ihre Anwesenheit bei der Beh\u00f6rde regelm\u00e4\u00dfig vorlegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Wie beurteilen Sie diese Rohingya Fl\u00fcchtlingskrise?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anas Ansar:<\/strong> Die Fl\u00fcchtlinge sind eigentlich eine Art billige Arbeitskr\u00e4fte. Aber im Vergleich mit Deutschland gibt es hier fundamentale Unterschiede. Beispielweise im Gesundheitsservice oder Bildungsm\u00f6glichkeiten, die Fl\u00fcchtlinge in Bangladesch haben keine solche M\u00f6glichkeit. Aber bez\u00fcglich der billigen Arbeitskr\u00e4fte oder Zwangsarbeit ist die Situation in Bangladesch nicht anders als die anderen L\u00e4nder. Bangladesch nutzt ihre billigen Arbeitskr\u00e4fte genauso aus, wie die anderen L\u00e4nder ihre Fl\u00fcchtlinge f\u00fcr lokale Wirtschaft ausnutzt.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Fl\u00fcchtlingscamps f\u00fcr Rohingyas sind zurzeit ca. tausend Hilfsorganisationen aktiv, weil sich viele junge Menschen engagiert haben. Aber die Frage ist, wie lange kann man diese 1,5 Millionen Menschen durch F\u00f6rdergelder und Spenden unterst\u00fctzen? Wir haben schon wieder neue Fl\u00fcchtlingskrisen in der Welt. Was passiert, wenn die Hilfsorganisationen sich dort zur\u00fcckziehen? Es ist keinerlei Plan daf\u00fcr erkennbar. Aber auch innerhalb den Rohingyas gibt es heutzutage interne Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen. Sie versuchen sich gegenseitig anzugreifen. Manche sind an kriminellen oder extremistischen Aktivit\u00e4ten beteiligt. Von der Vorstellung, dass Fl\u00fcchtlinge nur gute Menschen sind, m\u00fcssen wir uns l\u00f6sen. Auch hier gibt es gute und b\u00f6se Menschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Bangladesch befindet sich zurzeit das gr\u00f6\u00dfte Fl\u00fcchtlingslager der Welt, wo die vertriebenen Rohingya Moslems aus Myanmar leben. Weder die Bev\u00f6lkerung noch die milit\u00e4rische Regierung in Myanmar erkennt die Rohingyas als ihre B\u00fcrger an. 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