{"id":7,"date":"2020-06-11T19:47:39","date_gmt":"2020-06-11T19:47:39","guid":{"rendered":"http:\/\/diegrenze.org\/?p=7"},"modified":"2020-07-22T00:08:29","modified_gmt":"2020-07-21T22:08:29","slug":"interview-mit-hidir-celik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diegrenze.org\/?p=7","title":{"rendered":",,Interkulturelle \u00d6ffnung ist eine Herausforderung an Migranten&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Seit 1993 leitet Dr. Hidir Celik die Evangelische Migrations- und Fl\u00fcchtlingsarbeit Bonn (EMFA) \/ Integrationsagentur. Er war zugleich &nbsp;Gr\u00fcnder und von 1995 bis April 2018 Vorsitzender des Bonner Instituts f\u00fcr Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V. Eher bekannt ist er f\u00fcr seine Liebe f\u00fcr die Sprachen und Literatur; seine Muttersprache sowie die deutsche Sprache. Er hat die Bonner Buchmesse Migration, die bisher 11. Mal im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland stattgefunden hat, ins Leben gerufen. Mit seinen Geschichten und Gedichten setzt er sich sozial- und gesellschaftskritisch mit der Themen Migration, Flucht und Diskriminierung im Alltag auseinander. Als Zuwanderer aus der T\u00fcrkei und engagierter Migrationsforscher versucht er, gegen bestehende gesellschaftliche Vorurteile anzuk\u00e4mpfen. In einem Interview mit ,,Die Grenze\u201d betont er, dass eine Begegnung mit Menschen ohne Vorurteile ein erster Schritt f\u00fcr ein gelungenes Zusammenleben sei. Migrantenorganisationen sollen daf\u00fcr sorgen, solche Begegnungen zu erm\u00f6glichen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Sie sind seit den 90er Jahren mit den Themen Migration und interkulturelle Aktivit\u00e4ten besch\u00e4ftigt. Wie haben die Migranten, Ihrer Meinung nach, zur Entwicklung der deutschen Gesellschaft besonders beigetragen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><strong>Hidir Celik:<\/strong> Die erste Generation der Zuwanderer kam nach dem Zweiten Weltkrieg, ab 1955, nach Deutschland, sie haben das Land wiederaufgebaut und damit trugen sie zu dem Wohlstand bei, den die Menschen heutzutage hier haben. Mittlerweile haben wir die vierte Generation, die auch weiterhin f\u00fcr wirtschaftlichen und sozialen Wohlstand und Stabilit\u00e4t in der Gesellschaft sorgt. Heute macht sich Vielfalt auf allen Ebenen der Gesellschaft sichtbar. Menschen mit Migrationsgeschichte arbeiten in vielen wirtschaftlichen Bereichen, in denen die Deutschen nicht besch\u00e4ftigt werden k\u00f6nnen oder wollen. Dar\u00fcber hinaus sorgen sie auch daf\u00fcr, Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen. Es gibt den Sch\u00e4tzungen nach bundesweit \u00fcber 200.000 kleine Betriebe wie Friseure, Lebensmittell\u00e4den, B\u00e4ckereien, die \u00fcber 400.000 Menschen besch\u00e4ftigen. Dadurch leisten die Zuwanderer einen wichtigen Beitrag zur deutschen Wirtschaft und auch zum sozialen Frieden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Jede Initiative von Zuwanderern oder Gefl\u00fcchteten ist ein Gewinn f\u00fcr die Gesellschaft.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Es gibt viele Diskussionen \u00fcber Integration in Deutschland. Welchen Aspekt der Diskussion finden Sie am Wichtigsten?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hidir Celik<\/strong>: Der Begriff Integration sagt allein nicht viel. Es ist ein Prozess. Es sollte als ein Prozess gesehen werden, in dem die Menschen miteinander friedlich zusammen leben k\u00f6nnen, in dem beide Seiten ihre Vorurteile abbauen und aufeinander zugehen k\u00f6nnen. Es ist ein Prozess, den man \u00fcberall in der Nachbarschaft, Arbeit oder Schule lebt. Aber es ist wichtig, dass die Mehrheitsgesellschaft ihre Strukturen so aufbaut, dass die Zuwanderer oder Gefl\u00fcchteten gleiche Chancen bekommen, um Teil der Gesellschaft zu werden, zugleich sie weiter zu entwickeln und gestalten. Es soll ein Klima des Miteinanders geschaffen werden, dass die Zuwanderer hier nicht als Belastung, sondern als gleichberechtigte B\u00fcrger gesch\u00e4tzt werden. Wenn die Migranten die gleichen Chancen bekommen, zusammen mit der Mehrheitsgesellschaft ihre Zukunft mitzugestalten, dann ist eine gelungene Integration vollbracht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Das Haus Migrapolis ist schon als ein Zentrum oder Treffpunkt der interkulturellen Aktivit\u00e4ten in Bonn anerkannt worden. Was haben Sie durch diese interkulturellen Aktivit\u00e4ten, die von vielen Migrantenvereinen organisiert werden, erzielt?<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Hidir-Celic-2-\u00a9RI.jpg\" alt=\"HIdir Celik im B\u00fcro\" class=\"wp-image-16\" width=\"384\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Hidir-Celic-2-\u00a9RI.jpg 768w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Hidir-Celic-2-\u00a9RI-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><figcaption>HIdir Celik im B\u00fcro<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Hidir Celik<\/strong>: <a href=\"https:\/\/migrapolis.de\/\">Migrapolis<\/a> ist als Haus der Vielfalt bekannt, es wurde 2011 eingerichtet, um einen Raum f\u00fcr Begegnung in Bonn zu erm\u00f6glichen, in dem die Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und L\u00e4ndern sich treffen, um ein Zusammenleben in unserer Stadt zu gestalten. Zum Beispiel, wenn die Deutschen mehr \u00fcber die arabische, t\u00fcrkische oder andere Kulturen wissen m\u00f6chten, dann kommen sie hier und treffen die Menschen aus diesen Kulturkreisen. Migrapolis f\u00f6rdert einen Dialog und erm\u00f6glicht ein Gespr\u00e4ch zwischen den unterschiedlichen Gruppen in der Gesellschaft. Wenn man mit anderen im Gespr\u00e4ch kommt, dann kann man die Vorurteile leichter abbauen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Jedes Jahr melden sich in Bonn immer mehr neue Migrantenselbstorganisationen an. Sie suchen nach der M\u00f6glichkeit f\u00fcr Zusammenarbeit mit der Stadt und mit anderen Vereinen. Was w\u00fcrden Sie f\u00fcr solche neue Vereine oder Organisationen vorschlagen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hidir Celik<\/strong>: Jede Initiative von Zuwanderern oder Gefl\u00fcchteten ist ein Gewinn f\u00fcr die Gesellschaft. Sie m\u00fcssen daf\u00fcr arbeiten und Wege finden, um sich zu Pr\u00e4senz zu verschaffen, indem sie eigene Vorurteile \u00fcber die deutsche Gesellschaft abbauen k\u00f6nnen. Das ist der erste Schritt. Sie sollen sich nicht in die eigene Diaspora zur\u00fcckziehen, sondern sie sollen sich f\u00fcr andere Kulturen \u00f6ffnen. Ich hoffe, dass Seraji Foundation e.V. auch dies tut. Die bestehenden Vorurteile in der Gesellschaft kann man nur dann abbauen, wenn man als Verein aufgeschlossen bleibt. Es hei\u00dft aber nicht, dass man die eigene Kultur nicht vertreten darf. Die Organisationen m\u00fcssen Strukturen schaffen, um andere Kulturen wahrzunehmen und gleichzeitig interkulturell oder transkulturell zu agieren. Interkulturelle \u00d6ffnung ist nicht nur eine Aufgabe der Mehrheitsgesellschaft, sondern auch eine Herausforderung an die Migrantenselbstorganisationen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 1993 leitet Dr. Hidir Celik die Evangelische Migrations- und Fl\u00fcchtlingsarbeit Bonn (EMFA) \/ Integrationsagentur. Er war zugleich &nbsp;Gr\u00fcnder und von 1995 bis April 2018 Vorsitzender des Bonner Instituts f\u00fcr Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V. Eher bekannt ist er f\u00fcr seine Liebe f\u00fcr die Sprachen und Literatur; seine Muttersprache sowie die deutsche Sprache. 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