{"id":680,"date":"2022-08-21T10:20:32","date_gmt":"2022-08-21T08:20:32","guid":{"rendered":"https:\/\/diegrenze.org\/?p=680"},"modified":"2022-08-21T10:20:35","modified_gmt":"2022-08-21T08:20:35","slug":"selektdarisch-herausforderungen-meistern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diegrenze.org\/?p=680","title":{"rendered":"SELEKTdarisch Herausforderungen meistern?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><strong>Lehrst\u00fcck Ukraine<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Serge Palasie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie unb\u00fcrokratisch Willkommenskultur aussehen kann, erleben wir gerade jetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind Millionen Ukrainer*innen auf der Flucht. Viele von ihnen verlassen dabei ihr Heimatland. Die EU hindert diese Menschen nicht daran die EU-Au\u00dfengrenzen zu \u00fcberschreiten. Sowohl offizielle Strukturen als auch unz\u00e4hlige B\u00fcrger*innen \u2013 auch bei uns in Deutschland \u2013 tun viel, dass diese Menschen schnellstm\u00f6glich wieder ein gewisses Ma\u00df an Normalit\u00e4t erfahren k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt das unb\u00fcrokratische Ausstellen von Aufenthaltspapieren genauso wie das Erm\u00f6glichen eines Zugangs zu Wohnraum, Arbeit oder Bildung. All das g\u00f6nne ich diesen Menschen unbedingt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das nur immer so w\u00e4re&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen nur wenige Monate zur\u00fcckgehen \u2013 konkret zur EU-Au\u00dfengrenze zwischen Belarus und Polen im Sp\u00e4tjahr 2021: Bei Minusgraden versuchten in Belarus gestrandete Menschen, instrumentalisiert von Lukaschenko, in die EU zu gelangen. Die Bilder von Push Backs, die durch die Medien gingen, glichen einer Bankrotterkl\u00e4rung der EU und ihrer proklamierten moralischen \u00dcberlegenheit gegen\u00fcber Dritten. Zur selben Zeit fanden \u00fcbrigens die ganzen Sankt Martinsumz\u00fcge statt. Selbst war ich Laternentr\u00e4ger bei einem Zug der Schule meiner Kinder. Als ich da stand, schon nach einer Stunde fror und das Schauspiel verfolgte, wie Sankt Martin seinen Mantel teilte, um eine H\u00e4lfte dem Schutzsuchenden zu geben, dachte ich an die Situation an unserer Au\u00dfengrenze mit Belarus. Da gab es nicht mal einen Schnipsel des Mantels. Vor dem Hintergrund kam mir das ganze Schauspiel ritualisierter Solidarit\u00e4t absurd vor. Einerseits feierten Eltern die selbstlose Solidarit\u00e4t Sankt Martins, w\u00e4hrend sie aber m\u00f6glicherweise andererseits zeitgleich achselzuckend bis empathielos auf die Unterlassungen seitens der EU an der Grenze zu Belarus blickten. Das ist fatal. Wie sollen unsere Kinder da echte Solidarit\u00e4t lernen? Wo war da der Unterschied zu den aktuellen Fluchtbewegungen aus der Ukraine \u2013 abgesehen davon, dass die Menschen nicht einem Krieg aus unmittelbarer Nachbarschaft zu Europa, sondern kriegerischen oder kriegs\u00e4hnlichen Auseinandersetzungen anderswo \u2013 etwa aus Afghanistan \u2013 entfliehen wollten? Kurz: Sie waren keine <em>wei\u00dfen <\/em>Christen. Ja, das klingt jetzt hart. Aber der Blick auf vergangene Flucht- und Migrationsbewegungen nicht erst seit 2015 l\u00e4sst kaum eine andere Schlussfolgerung zu. Kein relativierendes pseudo-intellektuelles \u201eJa, aber\u2026\u201c macht es besser.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Serge-Palasie\u00a9SP-1024x1024.jpg\" alt=\"Serge-Palasie\u00a9SP\" class=\"wp-image-591\" width=\"352\" height=\"352\" srcset=\"https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Serge-Palasie\u00a9SP-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Serge-Palasie\u00a9SP-300x300.jpg 300w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Serge-Palasie\u00a9SP-150x150.jpg 150w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Serge-Palasie\u00a9SP-768x768.jpg 768w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Serge-Palasie\u00a9SP-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Serge-Palasie\u00a9SP-2048x2048.jpg 2048w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Serge-Palasie\u00a9SP-1200x1200.jpg 1200w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Serge-Palasie\u00a9SP-1980x1980.jpg 1980w\" sizes=\"auto, (max-width: 352px) 100vw, 352px\" \/><figcaption>Serge Palasie<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Und auch jetzt erlebten wir wieder eine selektive Solidarit\u00e4t&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026auch wenn keinesfalls unterschlagen werden soll, dass wir 2015\/16 auch schon zeitweise eine bemerkenswerte Willkommenskultur erlebten. Schwarze bzw. nicht <em>wei\u00dfe <\/em>Menschen, die dem Krieg in der Ukraine entfliehen wollen, kommen in der Regel nicht so einfach \u00fcber die Grenze. Oft werden sie von unseren Au\u00dfengrenzenw\u00e4chter*innen gestoppt. Und wenn es doch gelingt, stranden sie in den Ziell\u00e4ndern wie etwa Deutschland. Weder das Ausstellen von Aufenthaltspapieren, noch der Zugang zu Wohnraum, Arbeit und Bildung gestaltet sich bei ihnen unb\u00fcrokratisch. Ich will den zahllosen Menschen, die gerade die Ukrainer*innen in ihrer Not unterst\u00fctzen, nicht vor den Kopf sto\u00dfen \u2013 ihr Engagement ist begr\u00fc\u00dfenswert, aber als negativ von Rassismus betroffene Person muss ich ganz klar sagen: Wenn Hautfarbe den Anspruch auf Solidarit\u00e4t mindert, dann haben wir ein Problem. Sicherlich ist vielen Menschen nicht bewusst, dass unser Gefangensein im \u201eFarbgef\u00e4ngnis\u201c mit daf\u00fcr verantwortlich ist, dass wir den Anspruch auf unsere Solidarit\u00e4t hierarchisieren. Ma\u00dfgeblich verantwortlich hierf\u00fcr sind nach wie vor verbreitete Narrative in Medien, Politik und Gesellschaft, die mehr oder weniger bewusst Stereotype reproduzieren und somit eine in kolonialen Zeiten bewusst entlang konstruierter Hautfarben erschaffene Distanz aufrechterhalten. Ein solch verengtes und selektives Solidarit\u00e4tsverst\u00e4ndnis m\u00fcssten wir eigentlich <em>Selektdarit\u00e4<\/em>t nennen. Echte Solidarit\u00e4t hierarchisiert bedingungslos nach der jeweiligen Bed\u00fcrftigkeit, nicht aber nach Hautfarbe, Geschlecht, Religionszugeh\u00f6rigkeit und dergleichen. Hier m\u00fcssen wir umsteuern. Exklusive Solidarit\u00e4t verursacht Diskriminierung als Kollateralschaden. Nicht \u201enur\u201c moralisch sollten wir dies als Gesellschaft nicht in Kauf nehmen. Wer einer Form von Diskriminierung \u2013 egal welcher \u2013 gleichg\u00fcltig begegnet, l\u00e4sst das Tor sperrangelweit offen f\u00fcr jede weitere denkbare Form von Diskriminierung, die auch sie oder ihn fr\u00fcher oder sp\u00e4ter negativ treffen kann. Und solange wir Diskriminierung nicht systematisch begegnen, egal ob wir gerade von ihr pers\u00f6nlich betroffen sind oder nicht bzw. uns mit den Betroffenen verbunden f\u00fchlen oder nicht, solange keimen immer wieder Konflikte in oder zwischen Gesellschaften auf, die durch die Existenz von Rassismus, Klassismus, Sexismus etc. erheblich befeuert werden k\u00f6nnen. Wenn wir eine lebenswertere Welt f\u00fcr alle schaffen wollen, brauchen wir echte Solidarit\u00e4t. Daran f\u00fchrt kein Weg vorbei. Nur so k\u00f6nnen wir k\u00fcnftigen Kriegen, Pandemien oder globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel nachhaltig die Stirn bieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gl\u00fccklicherweise sind seit Beginn der Krise viele Initiativen entstanden, die erw\u00e4hnter Zwei-Klassen-Solidarit\u00e4t entschieden entgegentreten. Ob selbst negativ von Rassismus betroffen oder nicht \u2013 sie organisieren die Evakuierung rassifizierter Gefl\u00fcchteter aus der Ukraine oder unterst\u00fctzen diese in den jeweiligen Ziell\u00e4ndern. Dieses Engagement verdient gesamtgesellschaftlichen Respekt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lehrst\u00fcck Ukraine Serge Palasie Wie unb\u00fcrokratisch Willkommenskultur aussehen kann, erleben wir gerade jetzt. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind Millionen Ukrainer*innen auf der Flucht. Viele von ihnen verlassen dabei ihr Heimatland. Die EU hindert diese Menschen nicht daran die EU-Au\u00dfengrenzen zu \u00fcberschreiten. 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