{"id":603,"date":"2022-01-31T18:39:01","date_gmt":"2022-01-31T17:39:01","guid":{"rendered":"https:\/\/diegrenze.org\/?p=603"},"modified":"2022-01-31T18:39:06","modified_gmt":"2022-01-31T17:39:06","slug":"die-positive-arbeit-von-migrantinnen-passen-nicht-ins-gangige-medienbild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diegrenze.org\/?p=603","title":{"rendered":"\u201eDie positive Arbeit von MigrantInnen passen nicht ins g\u00e4ngige Medienbild\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Tina Adomako, aufgewachsen in Accra, die Haupstadt von Ghana und London. Sie absolvierte ihr erstes Studium in Anglistik und Afrikanistik. In Freiburg studierte sie Romanistik und Germanistik und begab sich anschlie\u00dfend auf ihren Weg durch die deutsche Medienlandschaft. Sie verbrachte eine wesentliche Zeit in mehreren Verlage sowie Medien als sowohl Redakteurin als auch Pressereferentin. 2016 hat sie beim Eine Welt Netz NRW als Fachpromotorin f\u00fcr Empowerment und interkulturelle \u00d6ffnung angefangen, die Stelle beim FSI Forum f\u00fcr soziale Innovation angesiedelt ist. Als Fachpromotorin gestaltet sie eine Menge Tagungen und Workshops mit den zivilgesellschaftlichen und migrantischen AkteurInnen in NRW zu den entwicklungspolitischen Themen. Im Interview mit \u201eDie Grenze\u201c hat sie \u00fcber Rassissmus, Diskriminierung, Migration erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Frau Tina Adomako, Sie waren lange Zeit in der Medienbranche T\u00e4tig. Wie sind Sie in dem Bereich Entwicklungspolitik angekommen? Was hat daf\u00fcr Ihr Interesse geweckt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tina Adomako<\/strong>: Ja, das stimmt. Ich habe mehrere Jahre lang f\u00fcr gro\u00dfe Medienunternehmen gearbeitet, und das waren spannende und interessante Jahre. Doch mit der Zeit wurde es mir immer wichtiger, einen Sinn in meiner Arbeit zu finden. So ganz freiwillig war mein Wechsel aus der Corporate Medien Welt jedoch nicht. Der Sender, f\u00fcr den ich damals als Presseredakteurin arbeitete, hatte \u201eumstrukturiert\u201c und jede Menge Leute entlassen. Das war meine Chance, den Absprung zu schaffen und mich mit sinnvolleren Inhalten zu besch\u00e4ftigen. Engagiert war ich aber schon viel fr\u00fcher. W\u00e4hrend meiner Studienzeit in Ghana z.B. war ich Studentinnenvertreterin. Da ging es auch um Themen, die wir heute zu den SDGs z\u00e4hlen w\u00fcrden \u2013 mehr Repr\u00e4sentanz, Gleichberechtigung, bessere Bedingungen \u2013 doch dass ich mich \u201eentwicklungspolitisch\u201c engagiere, so habe ich das zu der Zeit nicht genannt. Der Weg zur hauptberuflichen Besch\u00e4ftigung mit entwicklungspolitischen Themen f\u00fchrte dann \u00fcber ein Musiklabel namens Putumayo World Music. Dieses Label hatte sich zum Ziel gesetzt, sogenannte \u201eWeltmusik\u201c einem breiten Publikum n\u00e4her zu bringen, und mit jeder Ver\u00f6ffentlichung einen Teil der Erl\u00f6se f\u00fcr ein Entwicklungsprojekt in dem Land, aus dem die Musik stammte, gespendet. Hier konnte ich mit gutem Gewissen Pressearbeit machen. Von dort bis zur Arbeit im Eine Welt Netz war es dann nur ein kleiner Sprung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Migration ist eine weltweite Tatsache und Deutschland ist auch mit diesem Thema sehr besch\u00e4ftigt. Welche Rolle spielen Migrantenorganisationen, Ihrer Meinung nach, in deutscher Einwanderungspolitik?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tina Adomako<\/strong>: Deutschland ist eine Migrationgesellschaft. Fast ein Drittel der hier lebenden Menschen hat eine Migrationsbiografie. In manchen St\u00e4dten in NRW wie Dortmund, D\u00fcsseldorf, K\u00f6ln, liegt der Anteil sogar eher bei 35%. Migrant*innenorganisationen sind wichtige zivilgesellschaftliche Akteurinnen, die wichtige \u2013 meist ehrenamtliche \u2013 Aufgaben in unterschiedlichen Bereichen (kulturell, sozial, k\u00fcnstlerisch etc.) \u00fcbernehmen, die zur Integration beitragen. Sie \u00fcbernehmen F\u00fcrsorgeaufgaben etwa im Bildungsbereich, in dem sie Nachhilfeunterricht anbieten, sie betreiben Beratungsstellen, sie setzen sich f\u00fcr mehr Teilhabe und Repr\u00e4sentanz ein, arbeiten an wichtigen Policy Papers und Empfehlungen mit und vieles mehr. Das sind alles wichtige gesellschaftliche Aufgaben, die letztendlich darauf abzielen, den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt zu st\u00e4rken. Dar\u00fcber hinaus engagieren sie sich h\u00e4ufig auch noch in den Herkunftsl\u00e4ndern \u2013 bauen Schulen, f\u00f6rdern Jugendprojekte, helfen bei der Finanzierung von Gesundheitseinrichtungen und vielem mehr.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Tina2\u00a9TA.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-605\" width=\"341\" height=\"454\"\/><figcaption>Tina Adomako \u00a9TA<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze<\/strong>: Einwanderungspolitik ist ein hei\u00dfes Thema f\u00fcr deutsche Medien und dar\u00fcber wird viel berichtet. Aber wir sehen kaum Medienberichte \u00fcber Migrantenorganisationen. Warum gibt es so wenig Interesse?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tina Adomako<\/strong>: \u00dcber \u201eMigrant*innen\u201c wird am liebsten in negativen Kontexten berichtet. Eine Studie des Mediendienst Integration zeigt, dass mehr als 25 % der untersuchten Fernseh- und Zeitungsberichte \u00fcber Menschen mit Einwanderungsgeschichte von Gewalttaten handeln. Und wenn die Medien nicht \u00fcber Gewalttaten berichten, dann \u00fcber die Probleme und Risiken, die mit der Einwanderung einhergehen. Die positive Arbeit, die MigrantInnenorganisationen leisten, passen nicht ins g\u00e4ngige Medienbild.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Zum Thema Rassismus, wie kann man heutzutage Kindern bzw. Jugendlichen Rassismus bewusst machen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tina Adomako<\/strong>: Kinder und Jugendliche, die selbst von Rassismus betroffen sind, merken schnell, dass sie \u201eanders\u201c sind. Es ist wichtig, diese Kinder zu empowern, zu st\u00e4rken, indem man ihnen erkl\u00e4rt, wo die Wurzeln des \u00dcbels liegen, dass es ein strukturelles Problem ist, dass nichts mit ihnen pers\u00f6nlich zu tun hat, dass sie nicht allein sind, dass sie rassistische Vorf\u00e4lle melden m\u00fcssen und dass es Menschen gibt, die aktiv etwas dagegen unternehmen. Wichtig sind auch positive Vorbilder, damit sie sich nicht minderwertig f\u00fchlen \u2013 z.B. Spielsachen und B\u00fccher, die auch die eigene Lebenswelt widerspiegeln. Da muss man zwar l\u00e4nger suchen, aber solche Angebote gibt es (z.B. beim Online-Shop <a>tebalou.de<\/a>). Wichtig ist es auch, die Wissensl\u00fccken in der Geschichtserz\u00e4hlung zu f\u00fcllen. Von alledem profitieren auch Kinder, die sich \u00fcber Ausgrenzung, Rassismus oder Diskriminierung keine Gedanken machen m\u00fcssen. Gerade Aufgrund solcher Auslassungen werden n\u00e4mlich oft unbewusst Rassismen und Diskriminierungen reproduziert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze<\/strong>: Manchmal sehen wir sogar rassistischen Umgang innerhalb einer Migrantengemeinschaft oder zwischen unterschiedlichen Einwanderungsgruppen, die sich selbst \u00fcber Rassismus und Diskriminierung beschweren. Wie k\u00f6nnen wir solche Situationen verhindern?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tina Adomako<\/strong>: Aufkl\u00e4rung, Aufkl\u00e4rung, Aufkl\u00e4rung! Wir d\u00fcrfen nicht aufh\u00f6ren, \u00fcber die Geschichte des Rassismus und des Kolonialismus aufzukl\u00e4ren. Die Auswirkungen davon sind ja auch in den ehemals kolonisierten L\u00e4ndern zu sp\u00fcren. In der Kolonialzeit entstanden Hierarchien &#8211; nur Mitglieder bestimmter St\u00e4mme, Volksgruppen oder Kasten (Indien) durften z.B. Sachbearbeiter in den Kolonialverwaltungen werden. So entstanden auch nach der Unabh\u00e4ngigkeit Eliten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tina Adomako, aufgewachsen in Accra, die Haupstadt von Ghana und London. Sie absolvierte ihr erstes Studium in Anglistik und Afrikanistik. In Freiburg studierte sie Romanistik und Germanistik und begab sich anschlie\u00dfend auf ihren Weg durch die deutsche Medienlandschaft. 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