{"id":108,"date":"2020-06-17T20:35:54","date_gmt":"2020-06-17T20:35:54","guid":{"rendered":"http:\/\/diegrenze.org\/?p=108"},"modified":"2020-07-21T00:08:58","modified_gmt":"2020-07-20T22:08:58","slug":"die-lage-in-rakhine-ist-wie-zu-zeiten-des-nationalsozialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diegrenze.org\/?p=108","title":{"rendered":"Die Lage in Rakhine ist wie zu Zeiten des Nationalsozialismus"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-medium is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Lwin1\u00a9Hai-300x225.jpg\" alt=\"Ro Nay San Lwin\" class=\"wp-image-109\" width=\"300\" height=\"225\"\/><figcaption>Nay San Lwin\/Hai<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Nay San Lwin ist in Rakhine in Myanmar, dem ehemaligen Burma, geboren. Als Kind zog er mit der Eltern in die Hauptstadt Rangun um. Seitdem erlebte er Hass und Diskriminierung gegen die Rohingyas. Laut den Vereinten Nationen sind die Rohingyas die am meisten verfolgte ethnische Gruppe der Welt. Hunderttausende Rohingya sind in den letzten Jahrzehnten in das Nachbarland Bangladesch geflohen. Lwin verlie\u00df als Jugendlicher selbst sein Land und floh nach Saudi Arabien. \u00a02011 kam er letztendlich nach Deutschland. Lwin ist Aktivist, Blogger und sehr aktiv in der Menschenrechtsbewegung f\u00fcr die Rohingyas. Im Interview mit ,,die Grenze\u201d erz\u00e4hlt er \u00fcber seine Erlebnisse, vor allem \u00fcber die brutale\u00a0 staatliche Verfolgung der Rohingyas in Myanmar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Sie haben vor kurzem die Rohingya-Fl\u00fcchtlinge in Bangladesch besucht. Was haben sie im Fl\u00fcchtlingscamp erlebt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nay San Lwin:<\/strong> Wir befinden uns in der letzten Phase der ethnischen S\u00e4uberung der Regierung von Myanmar. Es war sehr traurig und herzzerreissend, was ich dort, im Fl\u00fcchtlingscamp, erlebte. Die Fl\u00fcchtlinge bekommen nur einmal im Monat vom Weltern\u00e4hrungsprogramm der Vereinten Nationen Lebensmittel. Die Situation im Camp ist nicht zu vergleichen mit anderen Fl\u00fcchtlingscamps. Es gibt Fl\u00fcchtlinge in Deutschland, der T\u00fcrkei oder Jordanien. Sie haben zumindest Essen, Trinkwasser und Kleidung. Aber die Rohingyas haben weder Nahrung noch Kleidung. Sie sind die \u00e4rmsten Fl\u00fcchtlinge auf der ganzen Welt. Das sind unmenschliche Zust\u00e4nde, die dort herrschen.<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Gibt es eine Organisation f\u00fcr die Rohingyas in Deutschland? Was f\u00fcr Aktionen organisiert diese Organisation?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nay San Lwin:<\/strong> Nach meiner Kenntnis leben ungef\u00e4hr 10 Rohingyafamilien in Deutschalnd. Au\u00dferdem gibt es viele, die sich als Rohingya ausgeben und dadurch politisches Asyl in Deutschland beantragt haben. Ich m\u00f6chte nichts dagegen sagen, weil ich glaube, dass diese Menschen eigene Gr\u00fcnde daf\u00fcr haben. Aber diese rund 10 Rohingyafamilien leben in unterschiedlichen St\u00e4dten und deshalb k\u00f6nnen wir zusammen keine Initiative gr\u00fcnden. Aber ich kenne jemanden, der eine NGO gegr\u00fcndet hat und er engagiert sich in der Menschenrechtsbewegung.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-medium is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Lwin2\u00a9NSL-300x224.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-110\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Lwin2\u00a9NSL-300x224.jpg 300w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Lwin2\u00a9NSL-768x575.jpg 768w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Lwin2\u00a9NSL.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption>Lwin im Rohingya Fl\u00fcchtlingslager in Bangladesch<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ich versuche meinerseits in regelm\u00e4\u00dfigem Kontakt mit den deutschen Ausw\u00e4rtigen Amt und dem Institut f\u00fcr Menschenrechte zu bleiben. Wir wollten zun\u00e4chst die Europ\u00e4ische Union und die Europ\u00e4ische Kommision kontaktieren und sie \u00fcber die ethnischen S\u00e4uberungen in Myanmar informieren. Wir versuchen jetzt, mit jedem Mitgliedsstaat der Europ\u00e4ischen Union individuell Kontakt aufzunehmen und damit unsere Kampagne zu verbreiten. Deutschland ist das wichtigste Land in der EU, deshalb m\u00f6chten wir mit Deutschland eine enge Beziehung eingehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00f6chten die R\u00fcckf\u00fchrung der Rohingyas von Bangladesch nach Myanmar verhindern. Wir hoffen, dass die deutsche Regierung Einspruch gegen eine solche Ma\u00dfnahme erhebt und dies der bangladeschischen Regierung mitteilt. Die Regierungen von Bangladesch und Myanmar haben bereits eine R\u00fcckf\u00fchrungsvereinbarung f\u00fcr die Rohingyas getroffen, aber ihre Sicherheit und dass die Rohingyas die myanmarische Staatsb\u00fcrgerschaft erhalten, all das wurde in dieser Vereinbarung nicht garantiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> M\u00f6chten Sie in der Zukunft in Ihre Heimat zur\u00fcckkehren?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nay San Lwin:<\/strong> Sicherlich, aber nicht nach Rangun. Ich bin dort sechs Jahre aufgewachsen und ich habe vieleFreunde aus meiner Jugend dort. Aber ich habe nur Kontakt zu meinen muslimischen Freunden, meine restlichen buddhistischen Freunde hassen mich wegen meiner Aktionen f\u00fcr die Rohingya. Wenn es m\u00f6glich w\u00e4re, w\u00fcrde ich gerne in meine Heimat Arakan (Rakhine) zur\u00fcckkehren. Aber die Lage in Arakan ist vergleichbar mit der ehemaligen NS-Zeit in Deutschland. Niemand darf sich f\u00fcr die Rohingyas aussprechen oder etwas f\u00fcr sie tun, sonst wird er Opfer von Hass und staatlicher Verfolgung.<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> In den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter findet man viele \u00f6ffentliche Videos \u00fcber die Rohingyas und ihre grausame Geschichte. Wie authentisch sind diese Videos? Wurden sie von den Rohingyas aufgenommen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nay San Lwin<\/strong>: Es gibt einige gef\u00e4lschte Videos und manche Menschen finden sie in Google. Danach posten sie diese unbewusst auf Facebook oder Twitter. Die Regierung von Myanmar nutzt diese Chance aus und versucht, die Rohingyas mit \u201efake news\u201c blo\u00df zu stellen.Wenn jemand, aus Rakhine in die Rohingyacamps zu fliehen versucht, durchsuchen ihn die myanmarischen Soldaten. Wenn jemand ein Handy hat, nehmen die Soldaten die SIM-Karte raus und manchmal ersetzen sie diese sogar mit einer bangladeschischen SIM-Karte. Ich kenne viele Rohingyas, die ihre Handys heimlich bei ihrer Flucht mitnahmen. Manche hatten kleine Solarmodule dabei, um das Handy zu laden. Ich habe eigene Quellen, die selbst heimlich Videos von Menschen, die von myanmarischen Soldaten gefoltert wurden, aufgenommen haben. Ich habe solche Videos in meinem Twitter-Account ver\u00f6ffentlicht. Diese Videos sind alle authentisch und wahr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nay San Lwin ist in Rakhine in Myanmar, dem ehemaligen Burma, geboren. Als Kind zog er mit der Eltern in die Hauptstadt Rangun um. Seitdem erlebte er Hass und Diskriminierung gegen die Rohingyas. Laut den Vereinten Nationen sind die Rohingyas die am meisten verfolgte ethnische Gruppe der Welt. 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