{"id":1022,"date":"2026-01-01T20:57:31","date_gmt":"2026-01-01T19:57:31","guid":{"rendered":"https:\/\/diegrenze.org\/?p=1022"},"modified":"2026-01-01T20:57:40","modified_gmt":"2026-01-01T19:57:40","slug":"anders-sehen-inklusiv-gestalten-eine-bruckenbauerin-fur-bonn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diegrenze.org\/?p=1022","title":{"rendered":"&#8220;Anders sehen &#8211; inklusiv gestalten&#8221;: Eine Br\u00fcckenbauerin f\u00fcr Bonn"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit 1997 lebt Gergana Ghanbarian-Baleva in Bonn. Sie ist eine der erfahrensten Sprachmittlerinnen im Pool des Amts f\u00fcr Integration und Vielfalt in Bonn. Seit diesem Juli ist sie zudem im Vorstand des Vereins Netzwerk politikIatelier e.V. aktiv. Au\u00dferdem leitet die geb\u00fcrtige Bulgarin das Bonner Projekt \u201eAnders sehen \u2013 inklusiv gestalten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Interview mit \u201eDie Grenze\u201c erz\u00e4hlte sie mehr \u00fcber ihr Leben und ihre berufliche sowie ehrenamtliche T\u00e4tigkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Frau Ghanbarian-Baleva, Sie engagieren sich seit 2002 in Bonn in der Integrationsarbeit. Was ist die Motivation hinter diesem langj\u00e4hrigen Einsatz?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gergana Ghanbarian-Baleva:<\/strong> Was mich antreibt, ist vor allem der Wunsch, Menschen zu unterst\u00fctzen, die neu in Deutschland sind. Ich wei\u00df aus eigener Erfahrung, wie herausfordernd der Anfang sein kann \u2013 oft beginnt man bei null. Gerade in dieser Phase ist Unterst\u00fctzung entscheidend. Mein Engagement soll dazu beitragen, Chancengleichheit nicht nur zu fordern, sondern konkret erfahrbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Sie leben in Deutschland seit fast drei\u00dfig Jahren. Welche besonderen Herausforderungen sind Ihnen als Zugewanderte in der Anfangszeit begegnet?<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"852\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/gergana-baleva-1-852x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1024\" style=\"width:240px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/gergana-baleva-1-852x1024.jpeg 852w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/gergana-baleva-1-250x300.jpeg 250w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/gergana-baleva-1-768x923.jpeg 768w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/gergana-baleva-1-1279x1536.jpeg 1279w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/gergana-baleva-1-1200x1441.jpeg 1200w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/gergana-baleva-1.jpeg 1332w\" sizes=\"auto, (max-width: 852px) 100vw, 852px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9GerganaBaleva<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Gergana Ghanbari<\/strong><strong>an-Baleva:<\/strong> In meiner Anfangszeit in Deutschland bin ich vor allem mit viel Unwissen und Vorurteilen konfrontiert worden \u2013 sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf institutioneller Ebene. Ohne g\u00fcltiges Visum, ohne Arbeitserlaubnis und ohne Aussicht auf Verl\u00e4ngerung war ein selbstbestimmtes Leben kaum m\u00f6glich: Kein Vermieter wollte mich aufnehmen, kein Arbeitgeber durfte mich besch\u00e4ftigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die B\u00fcrokratie und die oft widerspr\u00fcchlichen Anforderungen der Beh\u00f6rden haben die Situation zus\u00e4tzlich erschwert. Nur durch die Unterst\u00fctzung von Freundinnen und durch meine guten Leistungen im Studium konnte ich schlie\u00dflich BAf\u00f6G beantragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter im Berufsleben hatte ich das Gef\u00fchl, immer mindestens doppelt so gut sein zu m\u00fcssen. Nur so konnte ich das erreichen, was Menschen, die hier geboren oder sozialisiert wurden, selbstverst\u00e4ndlich zugestanden wurde. Das war auf Dauer sehr belastend \u2013 sowohl physisch als auch psychisch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Sie leiten das Projekt \u201eAnders sehen \u2013 inklusiv gestalten\u201c der Evangelischen Migrations- und Fl\u00fcchtlingsarbeit. Worum geht es in diesem Projekt genau und was ist sein zentrales Anliegen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gergana Ghanbarian-Baleva:<\/strong> Im Mittelpunkt steht die F\u00f6rderung von Inklusion und Teilhabe \u2013 insbesondere f\u00fcr Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte sowie f\u00fcr Menschen mit Behinderung. Wir m\u00f6chten kreative R\u00e4ume schaffen, in denen Vielfalt sichtbar wird, Barrieren abgebaut werden und echte Begegnung stattfinden kann.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-tw-overlap\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"914\" src=\"https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ander-sehen-logo-1024x914.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1025\" style=\"width:281px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ander-sehen-logo-1024x914.jpeg 1024w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ander-sehen-logo-300x268.jpeg 300w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ander-sehen-logo-768x685.jpeg 768w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ander-sehen-logo-1536x1370.jpeg 1536w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ander-sehen-logo-1200x1071.jpeg 1200w, https:\/\/diegrenze.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ander-sehen-logo.jpeg 1539w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>F\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist dieses Projekt eine wertvolle Gelegenheit, nicht nur meine soziale und interkulturelle Kompetenz einzubringen, sondern auch meine Kreativit\u00e4t auszuleben. Ich wachse enorm an den Herausforderungen, die mit dieser Aufgabe verbunden sind, und sch\u00e4tze die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen sehr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grenze:<\/strong> Als Autorin schreiben Sie literarische Prosa. Welche Themen stehen im Fokus Ihrer literarischen Arbeit?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gergana Ghanbarian-Baleva:<\/strong> Ich schreibe in erster Linie autobiografisch \u2013 denn ich habe f\u00fcr mich festgestellt, dass ich nur dann wirklich authentisch schreiben und ber\u00fchren kann. Besonders seitdem ich in Deutschland lebe, setze ich mich in meiner literarischen Arbeit intensiv mit dem Leben zwischen zwei Kulturen auseinander. Dabei geht es oft um schmerzhafte, aber auch um skurrile Erfahrungen, die ich als Mensch mit einer internationalen Biografie gemacht habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Themen sind dabei universell: Es geht um Heimat, um die Frage, wie sehr mich meine Herkunft pr\u00e4gt \u2013 und in welchem Ma\u00df man mich aufgrund dieser Herkunft in eine Schublade steckt. Ich schreibe auch \u00fcber die Herausforderungen, denen ich als Frau, Mutter und Berufst\u00e4tige begegne, sowie \u00fcber meine Vergangenheit und die historischen Ereignisse, die meine Generation gepr\u00e4gt haben \u2013 etwa die politische Wende oder den Kalten Krieg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 1997 lebt Gergana Ghanbarian-Baleva in Bonn. Sie ist eine der erfahrensten Sprachmittlerinnen im Pool des Amts f\u00fcr Integration und Vielfalt in Bonn. Seit diesem Juli ist sie zudem im Vorstand des Vereins Netzwerk politikIatelier e.V. aktiv. 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